Verf. wertete zahlreiche Quellen aus, macht aber eine Reihe von Fehlern aufgrund vorgefaßter Ansichten. Auch er setzt die 18 Strophen des Runenlieds Odins Runenzeichen parallel und kommt dadurch zu falschen Bedeutungen von Runen. Dazu kommt, daß er nicht voraussetzungslos herangeht, sondern eigene Wertungen einfließen läßt; weil die Germanen angeblich nicht materialistisch gewesen seien, sei die übliche Übersetzung für die Feh-Rune (Vieh, Geld) und die Odal-Rune (Grundeigentum) falsch, die Feh-Rune habe sich hingegen ursprünglich auf Wotan bezogen, die Odal-Rune bedeute nur "geschützter Bezirk". Beides ist natürlich Unsinn; Odal bedeutet "vom Großvater geerbtes Land", wie aus den frühesten nordischen Rechtsquellen deutlich hervorgeht. Ferner interpretiert er vieles fälschlich gestirnsmythologisch: die Burgen der Götter würden verschiedenen Sternbildern entsprechen, entsprechend 13 Monaten habe es jeweils ein Götterpaar gegeben, insgesamt also 26 germanische Gottheiten, der Asen-Wanenkampf sei nicht (wie die Forschung richtig annimmt) ein Abbild der Kämpfe zwischen Schnurkeramikern und Megalitikern, sondern zwischen Nacht und Tag. Er setzt Runen mit dem Tages- und Jahreslauf parallel und spekuliert auch sonst sehr oft. Teilweise gibt er eigene Übersetzungen, die unsinnig sind. Auch in einer Reihe Einzelfragen liegt er falsch, nimmt beispielsweise den Glauben an Inkarnationen bei den Germanen an (selbst in den ältesten indischen Quellen gibt es die Seelenwanderung noch nicht!), interpretiert die Irminsul an den Externsteinen als Dattelpalme und will statt dessen als Bild der Irminsul eine römische Säule mit dem Sonnengott an der Spitze (Sol invictus) den Lesern als Originalbild der Irminsul verkaufen. Erfreulich ist allerdings, daß eine Reihe von Runendenkmälern im Bild wiedergegeben werden. Da insgesamt mehr richtig als falsch in dem Buch ist, eingeschränkt empfehlenswert.
Jürgen Rieger