Das Sittengesetz in uns gebietet Treue und Vertrauen, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Freimut, Rücksichtnahme, Zuneigung und Liebe gegenüber Verwandten, Freunden und Gefährten, Wachsamkeit und Vorsicht gegenüber Fremden, Härte und Hass gegen Feinde.
21. Sittengesetz
Er ist das Muster eines Ritters,
tapfer und edel in der Freiheit,
und gelassen und treu im Unglück.
Goethe, "Götz von Berlichingen"
Du sehnst dich, weit hinaus zu wandern,
Bereitest dich zu raschem Flug:
Dir selbst sei treu und treu den andern,
Dann ist die Enge weit genug.
Goethe, "Zahme Xenien"
Das ist Treulosigkeit,
wenn sich einer nach dem Wechsel des Glücks richtet
und seine Treue wandelbar macht;
mich hat die Gerechtigkeit meiner Sache getrieben,
auch gegen ein widriges Geschick anzukämpfen.
Ulrich von Hutten
Denn was auch immer auf Erden besteht,
besteht durch Liebe und Treue.
Wer heute die alte Pflicht verrät,
verrät auch morgen die neue.
Adalbert Stifter
Ehe - das große -Tor, durch das unser Volkslebenvon Geschlecht zu Geschlecht weiterrückt und in dem es zugleich seine Sichtung findet.
Durch diese Tor darf nur Aufrechtes gehen.
Wie verfallen ist es aberheute und wie gering die Wacht über das,was hindurchschlüpft.
Georg Stammler
Eines Fehlers wegen entsagt man keinem Mann.
Lessing, "Minna von Barnhelm"
Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel der Kultur.
Sie macht den Rohen mild, und der Gebildete
hat Gelegenheit, seine Milde zu beweisen.
Unauflöslich muß sie sein: denn sie bringt so vieles
Glück, daß alles einzelne Unglück
dagegen gar nicht zu rechnen ist.
Goethe, "Die Wahlverwandschaften"
Will eines sich zum andern binden,
muß Treue sich zur Liebe finden,
nur treulos ist der Mensch nichts wert.
Sie aber hebt ihn im Vereine
und leuchtend über das Gemeine,
bis ihn des Volkes Treue ehrt.
Herbert Böhme
Du sollst nicht ehebrechen...,
wie grob, wie unanständig!
Klänge es nicht ganz anders, wenn es hieße:
Du sollst Ehrfurcht haben vor der ehelichen Verbindung;
wo du Gatten siehst, die sich lieben, sollst du dich
darüber freuen und teil daran nehmen
wie an dem Glück eines heiteren Tages.
Goethe, "Wahlverwandschaften"
Nur durch das kleine Vaterland, die Familie,
wird das Herz dem großen zugewandt.
Jean-Jacques Roseau, "Emile oder Über die Erziehung"
Der Mensch beginnt zu Hause. Die Nation fängt in den Familien an.
Ehm Welk, "Wundersame Freundschaften"
Im Hause muß beginnen, was leuchten soll im Vaterland.
Jeremias Gotthelf
Die Erziehung in der Familie bedarf vorgelebter Liebe,
damit die Kinder Ausrichtungsmarken für ihr eigenes Leben gewinnen.
Christa Meve, "Handbuch der Deutschen Nation"
Die unaufgelösten Dissonanzen im Verhältnis von Charakter und Gesinnung der Eltern klingen in dem Wesen des Kindes fort und machen seine innere Leidensgeschichte aus.
Friedrich Nietzsche
Die wahre Ehe ist eine Fackel, die Euch zu höhern Wegen leuchten soll.
Friedrich Nietzsche
Die Familie ist der Urgrund des Volkes, die erste gottgewollte Einheit. Auf sie folgt als zweite das Volk. Die Familie ist völkisch. Sie ist ein unantastbares Heiligtum, denn mit dem Sterben der Familie beginnt das völkische und seelische Sterben. .. Mit der Zerstörung des Familienlebens ist auch das Volk vernichtet, weil Denken, Fühlen und Wollen der Eltern ausscheiden und damit jeglicher Gestaltungswille für die Zukunft entfällt.
Wir müssen heute den Begriff der Familie in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen stellen. Eine Familie ist nicht eine Summation einzelner Menschen, sondern sie ist das Zusammenwachsen und Zusammenschmelzen dieser Menschen zu einer organischen Einheit.
Der einzelne Mensch hat die Aufgabe, in der Familie zu dienen. So ist das Glück einer Mutter und eines Vaters nur in dem Glück und Wohlergehen der Kinder verankert.
Hans Schemm, Reichsleiter des Nationalsozialistischen Lehrerbundes
Der Sinn der Ehe wird im nordisch-germanischen Menschentum als eine seelische Beziehung zwischen Mann und Weib erfaßt. Die körperliche Zusammengehörigkeit ist nicht das Entscheidende, sie bildet nur die naturgegebene Grundlage solcher inneren Verbundenheit. Diese verinnerlichte Auffassung ist bedingt durch die Wesensart des germanischen Menschen, die - bei aller Bejahung des Leibes und der Werte des Diesseits - den eigentlichen Sinn des Daseins stets auf das Geistige bezieht, für die ein Werterleben nur in der Sphäre des Geistigen denkbar ist.
Die Sagas bestätigen diese Schilderung, die Tacitus von der Stellung der Frau, von der Auffassung der Ehe als engster Schicksalsverbundenheit der Gatten gibt, durchaus. Auch hier ist die Frau die dem Manne an inneren Werten ebenbürtige Lebensgefährtin. In Not und Kampf bewährt sie ihre eheliche Treue am stärksten, bewährt sich die Zusammengehörigkeit von Mann und Frau als unlösbare Einheit. Tief ergreifend wird ein solches Zusammenstehen der Gatten geschildert in der Saga von Gisli, dem Geächteten, und seinem Weibe Aud. In selbstverständlicher Treue harrt Aud bei Gisli aus in der Not und Einsamkeit seines Ächterdaseins, jede Versuchung zum Verrat ohne Wanken von sich weisend. Dieselbe Treue bewährt in der Njalssaga die alte Bergthora, die freiwillig das Todesschicksal ihres Gatten teilt; hat sie ihm doch bei der Eheschließung gelobt, ein und dasselbe Schicksal solle sie beide treffen.
Auch im weiteren Verlauf der Geschichte des germanischen Geistes bleibt diese Auffassung bestehen, daß Ehe gemeinsames Erleben und Tragen aller Sorgen und Mühen bedeute, daß die Frau die Gefährtin des Mannes in guten und schlimmen Tagen sei. Wir finden sie im Wandel der Jahrhunderte bei allen Persönlichkeiten wieder, die ungebrochenes nordisch-germanisches Wesen verkörpern. In Shakespeares Julius Caesar ist eine Szene zwischen Brutus und seiner Gattin Portia bezeichnend für diese Einstellung des germanischen Menschen. Portia bittet Brutus, ihr den Grund seiner sorgenvollen Stimmung zu sagen. Als er ausweicht, dringt sie weiter in ihn:
Dr. Ulrike Garbe
Die Treue gehört zu jenen allerallgemeinsten Verhaltungsweisen, die für alle Wechselwirkungen unter Menschen, die nicht nur materiell, sondern auch soziologisch verschiedenartigsten, bedeutsam werden können.
Ohne die Erscheinung, die wir Treue nennen, würde die Gesellschaft überhaupt nicht in der tatsächlich gegebenen Weise irgendeine Zeit hindurch existieren können.
Wegen des Ergänzungscharakters, der der Treue zukommt, ist z. B. ein Ausdruck wie: treue Liebe - einigermaßen irreführend.
Wenn in einem Verhältnis zwischen Menschen die Liebe fortbesteht - wozu bedarf es dann der Treue?
Wenn die Individuen nicht schon im ersten Moment durch die Treue zusammengebunden sind, sondern durch die ganz primäre, genuine Seelendisposition der Liebe - warum mußte nach zehn Jahren noch die Treue als Hüterin des Verhältnisses hinzukommen, da doch, nach der Voraussetzung, jene Liebe nach zehn Jahren noch eben dieselbe ist und ganz allein von sich aus dieselbe zusammenbindende Kraft bewähren muß, wie in ihrem ersten Augenblick?
Will der Sprachgebrauch die einfach dauernde Liebe als treue Liebe bezeichnen, so ist dagegen natürlich nichts einzuwenden, denn auf Worte kommt es nicht an; wohl aber darauf, daß es einen besonderen seelischen - und soziologischen Zustand gibt, der die Dauer eines Verhältnisses noch über die Kräfte seines ersten Zustandekommens hinaus bewahrt, der diese Kräfte mit dem gleichen synthetischen Erfolge, wie sie selbst ihn hatten, überlebt und den wir nur Treue nennen können, trotzdem dies Wort noch die ganz andersartige Bedeutung: des Beharrens dieser Kräfte selbst - einschließt.
Man könnte die Treue als das Beharrungsvermögen der Seele bezeichnen, welches sie in einer einmal eingeschlagenen Bahn festhält, nachdem der Anstoß, der sie überhaupt in diese Bahn geführt, vorbeigegangen ist.
Es versteht sich von selbst, daß ich hier immer nur von der Treue als einer rein seelischen, von innen her wirksamen Verfassung spreche, nicht von einem rein äußeren Verhalten, wie z. B. innerhalb der Ehe der juristische Begriff der Treue überhaupt nichts Positives, sondern nur das Nicht-Stattfinden der Untreue bedeutet.
Georg Simmel
Die Ehe ist so wichtig, daß wir nicht aufgeben dürfen. Wenn wir
20 Jahre etwas falsch gemacht haben müssen wir im 21ten Jahr anfangen es
richtig zu machen.
Eine kalte Scheidung ist so zerstörerisch, wir müssen alles
versuchen, das Feuer neu zu entfachen. Es ist schwer in diesem Bereich
Niederlagen einzugestehen, Hilfe bei anderen zu suchen. Aber es wiegt vor
unseren Idealen und für die eigene Seele schwerer, zu scheitern, die Ehe
zu brechen oder zerbrechen zu lassen.
Es ist leicht, in guten Tagen von Treue zu sprechen. Doch Treue kann sich erst in der Not beweisen. Wer dann meint, er habe gute Gründe, ein einmal in guten Zeiten gegebenes Treueversprechen aufkündigen zu können, hat die tiefste Bedeutung dieses heiligen Begriffes nie erfaßt.
Gedenken wir unserer gefallenen Soldaten, die in schwersten Zeiten lieber in den Tod gingen, als Ihren Treueeid zu brechen.